Montag, 10. September 2018

N° 26 Anwender // User

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Kürzlich hatte ich eine gute Stunde Leerlauf zwischen zwei Terminen in München. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien ohne dass es zu heiß war, und so habe ich es mir auf einer Parkbank bequem gemacht, mit Buch, Wasserflasche und Sitzkissen aus dem Auto. Allerdings ist nichts von dem was meine Augen auf dem Papier verfolgt haben auch wirklich bis in mein Gehirn vorgedrungen, denn kurz nachdem ich mein Buch aufgeschlagen hatte drangen Stimmen vom Nachbargrundstück zu mir, laut und deutlich… Wenn ich mich nicht wegsetzen würde, wären sie auch nicht zu ignorieren gewesen. Das wollte ich aber nicht, denn mir gefiel mein Platz… Die war der Punkt, an dem mein aktives Denken sich von selbst abgeschaltet hat. Mein Verstand hat mir einfach vorgetäuscht ich würde weiter lesen und meine Ohren auf Autopilot geschaltet.

 
Drüben auf der anderen Seite der Buchen-Hecke ging es um Hilfe, - zumindest scheinbar. Die eine Stimme, - männlich, älter aber fest, gehörte offenbar dem Hausbesitzer. Die zweite, jüngere Stimme dessen Neffe namens Ben, seines Zeichens „der Helfer“. Ich schätzte ihn auf ca. Mitte 20. Zunächst sagte der Onkel, daß er froh sei zumindest eine Person gefunden zu haben die ihm mit dem Garten helfen wolle, - man könne ja im Alter leider Vieles nicht mehr selber machen und sei von daher auf Andere angewiesen…usw. Darauf folgte eine längere Rede in ärgerlichem bis jammernden Tonfall über die ansonsten so mangelhafte Hilfsbereitschaft jüngerer Generationen Anschließend ging es noch um die Unzuverlässigkeit und Nutzlosigkeit von Gärtnern, sowie die schlechte Arbeitsmoral der Menschen in der heutigen Zeit. Vom Neffen war nur hin und wieder ein möglichst indifferentes Brummen zu hören. Vermutlich wußte er, daß er sowieso nicht zu Wort kommen würde…

 
Nach kurzer Stille wurde das Zurückschneiden und in Form bringen diverser Sträucher in Angriff genommen. Der Onkel gab kurze und knappe Anweisungen wie er die Arbeit erledigt haben wollte. Dabei war er anscheinend nie zufrieden wie sein Neffe seine Befehle ausführte: „ Neiin Ben!! Nicht so viel auf der rechten Seite! Siehst Du das denn nicht?!...Ja, - so ist es einigermaßen ok. Und jetzt muß man natürlich da drüben noch was abschneiden…Nein! Nicht DIE Zweige…weiter oben! Mensch! Jetzt denk doch mal mit!! Das ist doch klar…die muß man stehen lassen, sonst gibt es doch da ein Loch!“ Kurzes Schweigen, dann: „ Herrje, jetzt hast Du die Leiter so dumm hingestellt daß die Rosen abgebrochen sind! Pass doch mal besser auf!“ Wieder kurzes Schweigen, dann: „Naja, so kann man ihn erst mal lassen. Geht halt nicht besser mit Dir…“

 
So ging es noch viele Buchseiten weiter (etwa 45 Minuten). Während der ganzen Zeit hat man vom Neffen so gut wie kein Wort gehört. Bei den ungeduldigen Anweisungen des Onkels war kein einziges Mal ein „Bitte“ oder „Danke“ zu hören. Die nörgelnd-fordernde Tonlage, in der die Anweisungen des Onkels vorgebracht wurden, verschlechterte auch meine Laune auf der anderen Seite der Hecke (was ich erst später bemerkt habe).

 
Dann plötzlich hörte der Onkel mitten im Satz auf zu sprechen und nach einer kurzen Pause klang seine Stimme nicht mehr nörgelnd, sondern aufgeregt: „…was machst Du da?! Ben?? Wo gehst Du hin?! He, halt! Du kannst doch nicht einfach so abhauen…! Hallo?! Und wer macht jetzt den ganzen Rest??! Ben!!!“ Die Stimme des Onkels entfernte sich bei den letzten Ausrufen ein wenig in die andere Ecke des Grundstücks, - vermutlich in Richtung Ausgang oder Haus. Danach: Stille.

 
Mir war, als hätte man mich mitsamt Sitz per Knopfdruck aus einem Theaterstück geschleudert. Und nun saß ich da, - auf einer Parkbank umgeben von Stille, im Grünen mit einem Buch in der Hand…seltsam. Ich klappte das Buch zu, legte es neben mich auf die Bank und nahm erst einmal einen tiefen Schluck Wasser. Zu meinem Erstaunen mußte ich feststellen, daß ich ein bißchen aufgeregt war…und schlechte Laune hatte. Ich fing an zu überlegen was ich da gerade miterlebt hatte. Ich stand auf und blickte (das erste Mal) über die Hecke. Man konnte einen zu zwei Dritteln in Form geschnittenen Strauch sehen und die Spitze einer Aluminium Klappleiter. Der Neffe war also weg. Er hatte genug vom „Helfen“. Wie ich mich mit einem Seufzer wieder auf die Bank setzte und meine Nerven anfingen sich zu erholen, wurde mir klar, dass es sich bei dieser Sache gar nicht um „Hilfe“ gehandelt hatte. Ben war benutzt worden. Er hatte wie ein Roboter Befehle empfangen und ausgeführt. So wie der Onkel mit ihm umgegangen war, hatte er seinen Neffen wie einen verlängerten Arm seiner selbst bewegen wollen, damit die Gartenschere in dessen Hand präzise an den Stellen Zweige abzwickte, wo er es wollte. Er hatte ihn auch kein einziges Mal nach seiner Meinung gefragt oder sich nach dessen Befinden erkundigt, oder sonst irgendeine Form von dualer Kommunikation gesucht. Der Onkel war der Benutzer gewesen, - der „Anwender“. Der Neffe der Benutzte, - das Werkzeug.

 
Auch ich habe in meinem Leben schon oft Situationen erlebt, in denen eine andere Person versucht hat mich in die Rolle eines Roboters zu zwingen. Keine schöne Erfahrung. Je nachdem diese Person war und was genau meine zu erledigende Aufgabe sein sollte, habe ich dies temporär akzeptiert. Aber was mich daran wohl am meisten ärgert und abstößt ist, dass so etwas meist unter dem beschönigenden Titel „Hilfe“ geschieht.

 
Anschließend habe ich mich gefragt, worin sich Hilfe oder helfen von einer Robotertätigkeit unterscheidet: Hilfe beinhaltet für mich, daß die andere Person bereits etwas tut, was nicht ganz gelingen will oder alleine für diese Person nicht zu schaffen ist. Ich verstehe Hilfe als eine Form der Unterstützung bei etwas. Die Person, der geholfen wird ist also auf jeden Fall aktiv an dem Geschehen beteiligt.

Außerdem findet Hilfe gewöhnlich auf freiwilliger Basis statt und ist kostenlos. Dementsprechend setze ich voraus, daß die Person der ich helfe meine Unterstützung zu schätzen weiß und mich mit Respekt behandelt…was der Neffe Ben anders erlebt hat. Das heißt natürlich nicht, daß ich demütige Dankbarkeit erwarten würde, - aber zumindest ein Bitte, ein Danke und einen angemessenen Tonfall. Sicherlich keine Herabsetzungen, Respektlosigkeiten und Nörgeleien. Hilfe ist eben freiwillig und NICHT selbstverständlich.

 
Roboter hingegen sind produzierte, maschinelle Hilfsmittel, - eine Hebehilfe etwa, oder ein „verlängerter Arm“. Roboter sind eine Form von Werkzeug, dem man keinen Respekt entgegen bringen muß, oder sich bedanken…man benutzt sie einfach. Respekt gebührt dabei höchstens dem unbekannten Dritten, der es hergestellt hat, der Energie und dem Material das dafür verbraucht wurde. Also wieder Mensch und Natur.´

 
Ein als Roboter benutzter Mensch kommt einem Sklaven gleich, der für seine Mühe weder Lohn noch Respekt bekommt, die Launen seines „Besitzers“ ertragen muß und keinerlei Mitspracherecht hat.

 
Dann gibt es noch eine weitere Kategorie: der Lohnarbeiter. Auch hier wird natürlich Respekt und Wertschätzung erwartet…und eben Lohn, aber keine Dankbarkeit und nicht unbedingt Mitsprache. Aber auch das traf auf den Neffen nicht zu.

 
Ich finde er hatte Recht einfach alles liegen und stehen zu lassen. Leute wie der Onkel sollten für Arbeitsleistungen bezahlen und nicht „Hilfe“ einfordern, oder sich einen Roboter anschaffen. Eine seelenlose Anhäufung von Material, Mechanik und Technologie, ohne Gefühle oder eigenen Willen. So einen Roboter könnten sie dann den ganzen Tag nach Gutdünken steuern und wenn gewünscht auch beschimpfen. Wenn er einmal nicht mehr funktioniert müßten sie ihn in Reparatur geben und dafür erst einmal bei einer Hot-line anrufen und in der Warteschleife bleiben… J

 
Ich finde, solche Roboter können gar nicht früh genug erfunden werden, damit Leute die sich bemühen ihre Sachen selber zu erledigen und Unterstützer mit Respekt behandeln, ihre Ruhe vor selbsternannten „Schwachen“ haben. J

 

BerylliumN

 




N° 26 User

Recently I've had about an hour and a half of a free period between two appointments in Munich. It was a beautiful late summer's day with lots of sunshine but not too hot to stay outside, so i went into a park and chose a bench close to a hedge with a tree nearby. I also brought a book, a bottle of mineral water and a cushion from my car. It was quite comfy there. Unfortunately I didn't get a word of what my eyes took in from the pages. For shortly after I opened the book, I heard voices from the other side of the hedge...in order to avoid overhearing the conversation Iwould have had to abandon my spot...but I didn't want to, bacause it was cosy... This was the point where my active, conscious thinking switched itself off. My brain simply pretended to keep reading while my ears went on autopilot.

The conversation was about „help“, - at least it seemed so... One of the voices, - male, elderly but firm belonged to the landlord. The second voice (also male) sounded quite young, maybe a man in his twenties and apparently was the voice of the nephew called Ben, who was to be the „helper“. The uncle said to Ben that he was glad there was at least somebody who was willing to help him out with the garden work, emphazising the disadvantage of his age and the consequences of it, e.g. not being able to do it all alone and being depend on other people. Subsequently he expressed his anger towards craftsmen in general and gardeners in particular, who were in his regard completely unreliable and useless and far too expensive. After that he complained at length about the lack of support and respect for elderly people in younger generations. During all this I heard but a grumble or a little grunt from the nephew...presumably because he knew he wouldn't get a word in anyway.

Finally the actual work started: the cutting and trimming of shrubs and trees. The uncle gave instructions and orders in a harsh tone, but obviously Ben just couldn't get anything right of what his uncle demanded: „No Ben!! Not that much on this side! Don't you see that?...Alright. I guess this must do... Now you'll have to clip them on the other side as well. It's obvious, isn't it??!...No! Not the twigs up there! Good gracious, lad! Think! There will be hole if you go on like that!“ Short silence, then: „ Oh for goodness sake! Look how you put this ladder in my flower-bed! You broke two roses! Can't you watch out a bit??!!“ Short silence again, then: „ Well. Alright... I think we can leave it at that for now...it won't get any better with you anyway...“ It went on like that for several pages of my book (maybe around 45 minutes). I didn't hear much from Ben. Along with his impatient instructions the uncle never said as much as „thanks“ or „please“. I remember feeling bad on my bench, - as if there were clouds in the sky...but there weren't any.The nagging and demanding of the uncle's voice made me angry (which I realised only a bit later on). Then suddenly, the voice of the uncle stopped in mid-sentence and I heard him exclaim with indignation: „ What are you doing?! Ben?! Where are you going? Stop! You can't just leave like that?! We are not finished with the garden!!! Then excited mumbling after longer silence: „ ...and who is going to do the other trees and the hedge? What a little bastard! Damn!“, the voice trailing off towards another corner of the garden (presumably the exit or the house). Then silence.

I felt like I've been hurled out of a screenplay at the push of a button. And now I was sitting there on a bench in a park, surrounded by green, the sun shining brightly. Suddenly it was so silent, it felt akward. I looked down at the book in my lap...and consciously realised I had one. I put it aside and exhaled. What had just happened? Why did I feel slightly agitated and aggressive? I took a deep draught from my bottle, stood up slowly and turned towards the hedge. The only thing I could see from my point of view was a rather big shrub with two thirds of it trimmed neatly...and the top of a step-ladder. The nephew was gone. H e must have had enough of the helping-business. The uncle was gone too.

As I got back on my cushion to recover from that particular theater show, it became clear to me that what I'd just overheared has had nothing to do with „help“. Ben had been used like a robot executing orders. The way his uncle had treated him was like someone would use a tool or a mechanic gadget, like an extended arm for inastance, with a hedge-trimmer on it's end. He didn't really want help, - he wanted something else. So he never bothered to ask his nephew for his opinion or wether he was doing ok, neither did he look for any kind of real mutual communication. He was the user, - Ben was the exploited tool or robot.

I've had experiences like Ben in my life, like most of us propably. Situations where another person pretended he or she needed my help, but really tried to impose the role of a robot on me. Not a pleasant experience. Depending on who this particular person was and what he/she wanted me to accomplish, I temporarly accepted this part. But there always was a specific reason why it struck me as appalling and loathsome: the hypocrasy of it. Because it came in the disguise of something positive – help. Afterwards I questioned the difference between the use of a robot and asking help of another person:
well, „help“ implicates the other person to participate in the action. Help means somebody cannot finish somethingon his or her own, or deal with something without support. But in any case the one who gets the help is an active part of the scenario.
Apart from that help is a voluntary action and for free. So at least my support should be valued and I as the one who does the job should be treated with due respect...all of which certainly didn't happen to Ben. Of course this doesn't mean people have to show humble gratitude or something like that. but simple signs of politeness like saying „thanks“ or „please“ instead of scolding or harassment, belittlement or nagging...for,
help is not to be taken for granted.

Robots on the other hand are produced things, - machines without a will of their own or feelings, a mere tool, like a prolonged arm. We don't have to be polite or respectful to them. We might consider the energy and resources which went into them in the production process, but it is ok to shout abuses at them... :-)

To use a human being like a robot means treating it like a slave, who gets no payment or appreciation in returrn and who has to endure the moods of his or her owner in silence. He does as it is ordered, no questions asked.

Then there is another category: the payed worker. But also in this case appreciation and respect is due and payment of course! Not necessarily gratitude or a voice in matters, but valuation. This didn't happen to Ben either.

Considering all this, I think he was right to resign and just leave. People like his uncle should get a bill and pay for manpower and not ask for „help“. Or they should get a robot, made without soul or feelings, a mere tool for people like the uncle who can boss it around all day long and shout at it. And when it breaks he would have to hand it in at a store to get it repaired. But first he would have to make a phone call for an appointment there...and end up being put on hold for hours... :-)

I think robots cannot be produced soon enough, so that people who really put an effort in getting their things done on their own and treat helping volunteers with appropriate respect and kindness. And with the help of the robots these people wouldn't be pestered, insulted and bossed around anymore by self-proclaimed „frail“ fellow-citizens.


BerylliumN



 




Samstag, 18. August 2018

N° 25 Equilibrium // Equilibrium

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Warum klappt dieses oder jenes im Leben nicht, obwohl man sich Mühe gibt und „dran bleibt“?, das fragt man sich oft. Oder: warum werden mir immer wieder Steine in den Weg gelegt, die mich daran hindern mein Ziel zu erreichen?

 
Szenario: Ein riesiger Gerichtssaal. Der Richtertisch erhöht auf einem Podium, oder besser, - auf einer Bühne wie bei Theater oder Oper oder Konzert. Der Richtertisch selbst ist aus altem, edlem Holz (Mahagoni?), dunkelrot-braun und geschwungen wie ein Langbogen. In der bauchigen Rundung steht der Richterstuhl, auf der Tischplatte der Klopfer. Zur Linken eine Büste der Justitia mit ihren verbundenen Augen, eine goldene Waage mit zwei Schalen hoch haltend.

In Blickrichtung des Richters in den Saal hinein zu seiner Linken und zu seiner Rechten jeweils die Bänke der Anwälte. Etwas näher zum Podium hin auf der einen Seite der erhöhte Zeugenstand, auf der anderen Seite der Sitz des Gerichtsschreibers. Hinter den Bänken der Anwälte sind die Sitzbänke des Publikums und der einfachen (Für-)Bitter.

An der Wand hinter dem Richtertisch hängen diverse Uhren übereinander und nebeneinander: die Vergangenheits-Zeit. Die Jetzt-Zeit. Die Zukunftszeit in der Nähe. Die Zukunftszeit in der Ferne. Die flexible Zeit. Die Überschuss-Zeit. Die Unendlichkeits-Scheibe.

 
Das Publikum sei ein Potpourri aus „Jedermann“: Männer, Frauen, Kinder, - Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe, jeder mit eigenem kulturellen und traditionellen Hintergrund. Ebenso alle möglichen Berufstände, Berufungen, Beschäftigungen: Jäger (auch die tatsächlichen mit Speer und Pfeil und Bogen), Bauern, Arbeiter, Handwerker, Soldaten…vom Laborassistenten bis zum Professor, vom Obdachlosen bis zum Philosophen. Alle haben ihre eigenen Interessen, Anliegen, Hoffnungen, Träume, Ängste, Vorlieben, Wünsche, etc.

 
Dann ist da noch ein weiterer Raum, drei Mal so groß wie der in dem die Menschen sitzen. In dem ist niemand, in diesem Raum herrscht Stille. Der Aufbau und die Einrichtung sind die Gleichen, abgesehen von jeglicher Sitzgelegenheit bis auf die für den Richter. In der Wand zur Rechten des großen Richtertisches im Menschenraum gibt es eine große zweiflügelige Verbindungstür die offen ist. Obwohl sich scheinbar niemand in jenem anderen Raum befindet, sieht der Richter sie doch. „Sie“, dass heißt jede Kreatur, jede Pflanze, jeden Stoff, vom größten Teil bis zum Kleinsten. Von den endlosen Weiten des Firmaments, das man durch eine Glaskuppel über dem zweiten Raum sehen kann, hinunter zum Innersten der Erde, das man ebenfalls so weit das Auge reicht durch einen dicken, gläsernen Fußboden sehen kann. Auch in diesem Raum gibt es die unterschiedlichsten Interessen, Anliegen, Nöte, Begebenheiten. Und natürlich die mathematischen und physikalischen Regeln, die für alle und alles gelten und die zu beachten und zu berücksichtigen sind, immer und zu jeder Zeit. Hier gibt es kein Gemurmel und Geraune, kein Aufbegehren, keine Klagen, Plädoyers, kein Gejammere, kein Geschrei oder Raserei. In diesem Raum herrschen Verstand, Akzeptanz und Demut.

 
Bei jeder wichtigen Entscheidung, jedem Richterspruch müssen verschiedenste Interessen von allen möglichen Beteiligten mit bedacht und berücksichtigt werden. Die schweigende Gesellschaft aus dem zweiten Raum muß mit einbezogen werden und alle insgesamt 14 Uhren müssen konsultiert werden. Wie auch immer ein Urteil ausfällt, das wichtigste, oberste Gebot und Ziel das es zu erreichen gilt, ist das Gleichgewicht zwischen den beiden Schalen der Justitia, - das Equilibrum.

 
Nun stelle ich mir vor, wie ich mein Anliegen vorbringe. Wie ich von meinen Plänen erzähle, meinen Wünschen, Hoffnungen, Zielen…und wie der Richter während ich spreche einige Steine in eine von Justitias Waagschalen legt. Anschließend legt der Richter die Steine all jener die direkt oder indirekt von seinem zu erwartenden Urteil betroffen wären, oder in der Zukunft betroffen seien würden in die andere Schale (beachte Zukunfts-Uhr eins und zwei). Was noch erwähnenswert wäre ist, dass der Richter die Interessen aller Beteiligten in jeder Zeit kennt, - man selbst aber nicht.

 
Wenn ich mir dieses Szenario so vorstelle, wird meine hadernde Frage warum manches nicht so laufen will wie ich es gerne hätte kleiner. Mein Gefühl des Unwillens darüber nicht unbedingt. Dann denke ich an den zweiten Raum, in dem Stille herrscht…atme tief durch und mache einfach weiter.

 

In diesem Sinne: keep going!  J

 

BerylliumN




N° 25  Equilibrium

 

Why wouldn’t this or that ever work out? I’m constantly doing my best, but it still doesn’t work the way I think it should, - why?...I guess everybody will ask himself this question from time to time.

Imagine: A huge courtroom. On a high stage like you would find it in a theater or a concert hall, the judgement seat behind a massive dark-brown wooden table, shaped like an ancient long-bow. To the left of the curved middle of it we can see a statue of Justitia with the blind-fold over her eyes and in one arm holding the golden scales.

In line of view of the judge to his left and to his right are the lawyer’s benches. A bit closer to the high podium to one side you’ll find the witness stand, to the other side the desk for the clerk. Behind the benches for the advocates are the benches for the public and ordinary intercessors. On the wall behind the high judgement table we can see several different clocks: the past-time clock, the present-time clock, the close-future clock, the further-away-future clock, the flexible-time clock, the surplus-time clock and the infinity-disc.

 The “public” shall be each and everybody: men, women, children, - people of all ages, colors, everybody with his or her different cultural and traditional background. Everyone all kinds of different professions, duties, occupations: hunters (even the original ones with spears and bow and arrow), peasants, workers, craftsmen, soldiers…all you can think of, from laboratory assistant to professor, from homeless persons to philosopher. Anyone. All with their own specific interests, issues, hopes, dreams, fears, wishes, ambitions…

Then there is another room, three times the size of the first one, where the people sit. This room appears to be empty and in complete silence. The construction and the interior of it are exactly the same as in the people’s room, - apart from the absence of any seat, but the one for the judge. To the right side of the massive mahogany table in the wall is a huge two-winged door, which is open. Although the room seems to be empty the judge can still see “them”, that is to say every single creature, every single plant, every material, substance or matter, of any measurement…from the infinite space of the firmament, which can be watched through a glass cupola at the ceiling, to the iron core of the earth, which can also be seen through the transparent, glassy floor below your feet. In this room there are also lots of different interests, needs, issues, situations. And of course the greater rules of physics and math, which are applied to everything on earth and are to be considered and obeyed.

In this chamber no uproar, indignant mumbling or sulky defiance will ever be heard, no complaints, no pleas, no wailing or fury. In this room there’s comprehension, acceptance and meekness.

If there is a fairly important decision or judgement to be made, all kinds of various interests of all who are or will be involved in it, are to be considered. The taciturn society from the second chamber mustn’t be forgotten and all 14 clocks must be consulted. However the judgement will turn out, the most important thing is balance of the scales of Justitia, - Equilibrium.

Now I imagine myself making my point, my plea at the judgement’s table. How I’m talking about my plans, my wishes, hopes and ambitions…and I imagine the judge putting some stones in one of the great scales. Afterwards I can see him putting the stones of all those in the other scale who are or are going to be involved in my plans, wishes and goals (risking a quick glance at the huge watches on the wall). Oh, - not to forget: the judge knows all the interests and needs of everybody who is (or would be) involved at every possible time, - but I don’t.

While I’m imagining this scenario, my discontent questioning of fate is getting smaller, but not necessarily my grudge against it. Then I usually remember the second, silent chamber, take a deep breath and just get on with it.

 
Keep going! J
 

BerryliumN
 
 

 
 


 






Mittwoch, 1. August 2018

N° 24 Ein Entscheidender Moment // A Crucial Moment



 

 
Manchmal kenn ein winziger Zeitabschnitt, - ein Augenblick entscheidend sein. Lebensentscheidend.  Und manchmal kann die Schilderung eines Erlebnisses so eindringlich sein, dass vor dem eigenen inneren Auge ein Film abläuft, so als wäre man selbst dabei. Dabei ist es egal, ob man es mündlich oder schriftlich erzählt bekommt. Eine Erzählung aus Südamerika hat einen solchen Film in meinem Kopf ausgelöst, eine kurze Flut intensiver Bilder, eine Stimmung, die ich in einen imaginären Monolog gefasst habe, aus der Sicht der Person, die unter den Konsequenzen eines Impulses in einem entscheidenden Augenblick gelitten hat:

 

 

Sometimes a tiny strap of time, a moment can be crucial, - it can even turn a whole life around. And sometimes the narrative of such a crucial experience in a person’s life can be so catching, it evokes a flood of images in the mind of the listener, as if he/she was a part of the action. Like a short-movie produced by your own brain. It doesn’t really matter if you hear the narration directly from a person or if you read it somewhere.

I’ve listened to such a story from South America lately and my mind got flooded with intense images and words. This story had a certain feel to it which obviously caught me. So I wrote a monologue from the imaginative point of view of the person who suffered from the effects of one unfortunate impulse in a crucial moment of his life:

 

 

 

White Lions

 

 
I can only walk in circles here,

I can only glance as far as the next concrete wall.

To my left: concrete

To my right: concrete

Hard cobble stones under my feet

High above in the sky

A patch of blue to fill my eyes.

 

If above were below

I could drown myself in the flow

Of a white cloud-lion in blue.

 

Baby, it sounds fair

That you should be here.

Baby, it sounds fair

That you should get your share.

 

White lions streaming through blue air

Leaving behind a yearning, a loss and a fear.

White lions streaming through my soul

During freezing nights, as black as coal.

When I’m sitting here awake,

Remembering the blade

Eyes fixed on another patch of lesser grey.

 

Hey Baby, out in the world!

Don’t you think it’d be fair

That you’d be here?

 

White lions...and the night

Starts to fill my mind

Like the black bitter coffe

The one from the fuel station by the road

I’ve left behind.

There are no more roads for me now

None but those in my mind.

 

White ribbons and purple and blue

On your wedding day.

I saw your black curls and couldn’t,

Just couldn’t drink your promise away!

I can still hear your voice and your words

They cut through my mind

But nothing left for me now

All just hatred and grind.

 

I can remember your eyes burning in his

And how I couldn’t resist the feeling,

The urge to cut and destroy,

To beat and crush.

White lions, Baby

Where streaming through my soul

As I dropped the knife.

 

Now you are a widow,

Unmarried, your hopes destroyed.

And I’m sitting here

Between concrete walls and barrs

To merely exist in a void.

 

Yeah, - I think it would be fair

If you’d be sitting right there

So I could ask you why

Why wouldn’t you give me a second chance?

No need for me then to sit here

For vain romance

For a moment of rage and indulgence

And other people’s revenge.

 

You said words count for nothing

And you’d know me and my kind

But let me tell you this Babe,

And get it in your mind:

 

A deed is words unspoken

And I hope you will hear me scream

Forever in your head, girl

Without one night left for sleep!

 

For you should sit with me here

Holding your lies in your lap

Be awake with me here

On this itchy, pitchy bed

On a white lions head!

 

 

BerylliumN
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 23. Juli 2018

N° 23 Humanmedizin // I Wish I Was a Cow

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Als ehemaliger, langjähriger Pferdebesitzer kann ich aus Erfahrung folgendes sagen: wenn man als Großtierhalter einen Veterinär braucht, weil das Tier ernsthaft krank ist, beispielsweise Schmerzen hat oder sonst wie leidet, ruft man bei seinem Tierarzt an und dieser kommt sobald als möglich persönlich vorbei. Auch wenn es nach 16 Uhr ist, oder mitten in der Nacht. Darauf kann man sich verlassen. Er kommt auch an Wochenenden oder Feiertagen, am Sonntag in der Nacht, um 3 Uhr morgens, - egal wann. Hat der Tierarzt einmal Urlaub, ist selbst krank oder sonst wie verhindert, kommt eine ebenso kompetente Vertretung. Auch darauf kann man sich verlassen.

 
Sollten die Mittel und Gerätschaften vor Ort einmal nicht ausreichen um das Tier angemessen behandeln zu können, erfolgt eine Überweisung in eine Tierklinik. Abgesehen vom Transport, um den man sich selber kümmern muß, verläuft die Einlieferung und Übernahme des tierischen Patienten dort problemlos und mit Umsicht. Und auch in der Veterinär-Klinik trifft man auf professionelles, ansprechbares Personal das sich zuständig fühlt, - vom Tierarzt bis zum Pfleger. Je nach Dringlichkeit des Falles wird sich zur Not auch rund um die Uhr zügig und zeitnah um eine umfassende Diagnose und anschließende Behandlungsmethode bemüht.

 
Ganz anders verhält es sich wenn man ein Mensch ist. Wird man nach 16h oder maximal 18h krank oder in der Nacht, hat man ein Problem. Noch schlimmer an Wochenenden, Feiertagen, während Schulferien, oder gar um die Weihnachtszeit, quasi „zwischen den Jahren“! Es sei denn, es ist akut und direkt lebensbedrohlich… Allerdings kann man als Mensch auch sehr leiden ohne dass es absolut lebensbedrohlich ist. Dazu kommt dass es mitunter sehr wichtig sein kann rechtzeitig und ohne Verzögerung eine möglichst präzise Diagnose zu stellen. Gegebenenfalls muß man dafür spezialisierte Fach-Ärzte (z.B. Orthopäden, Neurologen) hinzuziehen. So könnte Leiden verkürzt werden. So könnten negative Entwicklungen am effektivsten aufgehalten werden. Jeder, der beispielsweise schon einmal so richtige Zahnschmerzen hatte, einen Bandscheiben-Vorfall oder Migräne weiß wie lang auch nur eine Stunde sein kann, geschweige denn 48 Stunden oder sogar über 60 Stunden, - wenn es sich um ein ganzes Wochenende bis zum Montag  Morgen handelt.

Jetzt könnte man natürlich sagen: „Wenn man erst mal Schmerzmittel gegeben hat kann es ja nicht mehr so schlimm sein. Geht doch mal für zweieinhalb Tage!“ Tja, aber wenn die Schmerzmittel nicht wirken? Oder wenn niemand da ist, der kompetent und erfahren genug ist um das passende Schmerzmittel herauszufinden? Oder wenn die jeweiligen Mittel nicht vertragen werden und schwere Nebenwirkungen auftreten, die wohlmöglich die noch ausstehende Diagnose verschleiern? Was dann?

 
Es ist doch geradezu paradox: in der industriellen Fertigung und/oder Produktion bekommt man ganz professionell durch und durch kompetente 24 Stunden Besetzungen hin. Wenn es sein muß sogar 7 Tage die Woche. Es wird sorgsam darauf geachtet, dass teure Maschinen ausgelastet sind und nicht stillstehen, dass Material nicht abkühlt usw., aber in Krankenhäusern oder überhaupt bei human-medizinischer Versorgung, wo es um Leib und Leben und auch um Leiden geht, ist das nicht möglich?!

Abgesehen von ethischen Gründen stehen auch dort teure Diagnose-Geräte still (Radiologie etc) und Laboratorien samt teurer Ausstattung bleiben ungenutzt.

 
Bei entsprechender angemessener Bezahlung gäbe es sicher genügend Mediziner und Labor-Fachkräfte die zu einem turnusmäßigen 24 Stunden Dienst bereit wären der über ein minimalistisches Notfall-Programm hinausgeht. Am besten man beteiligt den oben genannten Personenkreis an der Ausarbeitung eines für alle (Ärzte, Pflegepersonal, Labor-Fachkräfte und Patienten) zufrieden stellenden Dienstplan-Konzeptes.

Es kann doch nicht sein, dass so viele Menschen so unheimlich viel Geld in Krankenkassen einzahlen, regelmäßig und über lange Zeiträume und dann nach ca. 16h (im Krankenhaus) und nach ca. 18h (in Arztpraxen) nicht mehr angemessen versorgt werden können weil niemand mehr da ist. Es handelt sich bei diesem Sachverhalt nicht um den Versuch nach Ladenschluss noch Butter zu kaufen, sondern um Krankheit und Leiden…Aber halt! – Supermärkte sind immerhin bis 20h voll besetzt!

 
Wäre das nicht ein Gebiet wo es noch sehr viel Potential für die Schaffung neuer Arbeitsplätze gäbe? Außerdem würde es sich lohnen Steuergelder in solch ein Modell zu investieren, denn eine gute medizinische Versorgung liegt schließlich im Interesse aller Steuerzahler. Man mag jetzt argumentieren, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland doch hervorragend sei im Vergleich zu anderen Ländern… Ich denke aber, dass so eine Argumentation einen nur davon abhält selber zum Maßstab und Vorbild für eine erstklassige Versorgung zu werden.

 
Ist es nicht so, dass mit steigender Beschäftigung auch die Steuer - und Sozial Einnahmen des Staates steigen? Und ist es nicht so, dass jeder der einmal schwer krank war, oder dessen Angehörige einmal schwer krank war, selber gerne eine kompetente medizinische Versorgung hätte?

 
Momentan sieht es aber leider so aus, dass man schnellere und intensivere medizinische Betreuung bekommt wenn man einen Veterinär an seiner Seite hat, wenn man also eine wertvolle Milchkuh oder ein teures Sportpferd ist. In diesem Sektor scheint bekannt zu sein, dass sich Krankheiten nicht nach Werktagen und Feierabendzeiten richten und auch keine Rücksicht auf Sonn – und Feiertage nehmen. L

 

Bleibt gesund!
 
 
BerylliumN
 
 
 
 
 
N° 23  I wish I was a cow, or: Human Medicine
 
 
 
As a once long-time horse owner, I can gladly report the following: if you phone your vet because your animal is seriously ill and/or in pain, you can be sure he will come. You can rely on him showing up in person as soon as possible, regardless of the time of day, - he will attend to the suffering animal after 4 p.m., on weekends, holidays, during the night... If he/she is prevented for any reason there will be a substitute as skilled as he/she is. You can also rely on that.
 
Should his equippment not suffice for adequate treatment, a hospitalisation will be induced. Once you transported your animal to the vet-hospital, the professionals there take over and, - also regardless of the time of day (or night), the patient will be treated with great care and concern from everybody involved, from the doctor himself to assistants to nursing stuff. A little side-note: the expences aren’t as exorbitant as one might fear...
 
On the other hand...if you happen to be human, things appear to be quite different. If you get ill after about 6 p.m. you’ll surely have a problem. Even more so if this misfortune happens to you on a Friday evening, a weekend, a holiday, during school holidays or around x-mas time (in between years). Gosh! You will  be so doomed! Unless of course your situation is acutely life-threating.
But everybody knows we can suffer a lot without our lives being in immediate danger. In addition to that it could make a significant difference to the course of disease if you get a precise and prompt diagnosis. In order to achieve that, might be necessary to consult competent specialists (e.g neurologist, orthopaedist, etc.). If this was done as soon as possible negative developments could be avoided, affliction could be minimised or at least abbreviated... Think about it. Everbody who ever had serious toothache, headache, or a slipped disc knows how long even a single hour can be, let alone 24h, or maybe over 60 hours from Friday evening to Monday morning! Of course one could argue now: once the patient got some painkiller it’s not too bad anymore, it should do for 2 days. Well, but if the painkillers don’t have enough effect? What if there’s nobody there who is sufficiently competent to choose the appropriate drugs? Or if severe side effects occur who might obscure the diagnosis which is not yet made? What then?
 
I think it is bizarre that in industrial production lines it should be possible to have a professional 24 hours working process with 3-shift-turns, if need be even 7 days a week, for example to make sure some expensive material wouldn’t cool down to much or to use expensive machinery to capacity. But in health care where there is life quality and suffering at stake, that is not possible?!
Apart from ethic reasons there is also expensive machinery standing still (radiology etc.) and lab-equipment left unused.
 
There should be enough health professionals and laboratory workers who are willing to work under shift – rotating conditions if they are appropriatly payed. And I do not mean  minimalistic emergency case procedures! It certainly would be best to include the whole medical staff, from physician to nurse, to lab-assistant in the process of defining optimal working conditions for everyone (patients and again: physicians, nurses, laboratory staff).
It is unbelievable that so many people should pay so much money in health insurances over long periods of their lives and then can’t get adequate medical treatment after 4 p.m. (in hospitals) or around 6 p.m. (in surgery). After all it’s not the same issue as trying to buy fresh milk after shop closing time...but hang on! Supermarkets are open until 8 p.m...! With staff and all...yeah!
 
Isn’t there a lot of potential in it to create new employment? Wouldn’t it be a good idea to invest public money where it actually serves the public (health)? One might argue that medical care is in a very good state in Germany compared to other countries. But I think this attitude only keeps us from striving to become a brandmark for first class medical care and maybe setting new standards.
 
Anyway, isn’t it so, that by raising employment there will be more money coming in on taxes and social insurances? And isn’t it so, that everybody who once has been severely ill, or everybody who’s beloved family-member has been severely ill knows how very important professional and accessible health care can become?
 
Well, in the moment you seem to be more fortunate if you have a veterinary on your side, if you are a valuable dairy cow or a precious race horse. In these parts it seems to be a well known fact that illness does not know opening hours, a 9h to 5h week, holidays, weekends, school-holidays or x-mas times...  L
 
Stay well!
 
 
BerylliumN
 
 
 
 
 
 

    

      

 







Freitag, 6. Juli 2018

N° 22 München - Solln

this time German only, - I guess you need to know the quarter... sorry


 

Meine liebe Patentante wohnt in München-Solln. Mein Hausarzt hat dort seine Praxis. Meine Autowerkstatt befindet bzw. befand sich in München-Sendling, welches an Solln angrenzt, und ein Freund von mir hat dort gewohnt. Aufgrund dieser Begebenheiten bin/war ich also öfter in diesem Stadtviertel. Aus meiner Sicht lässt sich im Großen und Ganzen nicht viel aussetzen an Solln. Es hat seine Vorteile (für mich), - die da wären: ein Bäcker, der einen hervorragenden Mandel-Schoko-Kuchen macht, ein gut sortiertes Öko-Gemüsegeschäft, überhaupt viele kleinere Läden aller Art und natürlich, - wie schon erwähnt, die Arztpraxis mit einem wunderschönen Wartezimmer im Jugendstil…ach ja, und ein gut geführtes Krankenhaus. Das Viertel ist gepflegt, mit viel Grün und netten Häuschen von kleinerer und größerer Dimension. Auch im angrenzenden Sendling habe ich mittlerweile einige Anlaufstellen aus dem Einzelhandel gefunden, die einen Abstecher wert sind…aber ich bleibe mal bei Solln und seinen doch recht speziellen Einwohnern:

 
Es gibt überdurchschnittlich viele Senioren. Man sieht häufig rüstige alte Damen, in teure Gewänder gehüllt, die auf den ersten Blick recht freundlich wirken, sodaß man Lust bekommt sich mit ihnen zu unterhalten. Dies habe ich dann auch versucht, - im Wartezimmer der Arztpraxis, beim örtlichen Kassenautomaten am Parkplatz, beim Bäcker, quasi „über den Gartenzaun“ bei kurzen Spaziergängen. Dabei musste ich leider feststellen, dass sie meist zwar höflich, aber eben doch nicht wirklich freundlich waren und eher reserviert, ablehnend und unnahbar reagiert haben, als würden sie sowohl mich, als auch den ganzen Vorgang höchst seltsam finden. Möglicher Weise traf ich nicht den „richtigen Ton“ und sie merkten, dass ich nicht dazu gehöre. Möglicher Weise waren sie nur überrascht, weil etwas derartiges nur selten passiert, in Solln. Das stört mich nicht zu sehr. Aber das ich beim Bäcker ignoriert werde wenn ich nicht in die Offensive gehe, weil ich nicht zum „Hood“ gehöre, schon.

 
Alles dauert in diesem Stadtviertel länger, ist langsamer…so auch die Autofahrer, die sich durch kompromisslose Sturheit auszeichnen, die bisweilen in entschlossene Aggressivität umschlägt. Da gibt es Linksabbieger, die an der Nadelöhr-Kreuzung beim „Alten Wirt“ keinen Zentimeter vorfahren, damit die sich stauende Autoschlange rechts an ihnen vorbei geradeaus fahren könnte… Aber wenn sie mal im Fahren sind wollen sie offenbar auch keinen Meter Grund an irgendjemand anderen verlieren. Dazu zwei Vorfälle: als ich selbst aus einem Parkplatz nach links in die Wolfratshausener Str. einbiegen wollte, wollte mich niemand rein, - bzw. die Strasse kreuzen lassen. Schließlich kam auf der gegenüber liegenden Seite keiner mehr und ein BMW-SUV war noch ziemlich weit weg, er hätte nur sein bisheriges (langsames) Tempo beibehalten brauchen…also bin ich los gefahren, um endlich abzubiegen. In diesem Moment hupt der Fahrer und gibt doch tatsächlich Gas!... Grund Gütiger! Wäre ich nur ein bisschen zu langsam abgebogen oder hätte gezögert, wäre er mir unweigerlich in die Fahrerseite gefahren…!? Beim zweiten Mal war es fast dasselbe, nur das dieser nicht beschleunigt hat, aber er hat genauso lange und empört gehupt. Ich habe inzwischen gelernt, - an dieser Stelle gibt es nur eine Möglichkeit aus dem Parkplatz raus zu kommen: schnell aussteigen und die Fußgänger-Ampel drücken, wieder ins Auto springen, anschnallen, abbiegen. Uff! Jaa, - sie lassen sich ihr Recht, - auch das auf Langsamkeit, nicht nehmen. Auf gar keinen Fall.

 
Diese Auto-Fahrer-Langsamkeit findet man auch in den Geschäften wieder, in der Post, dem Supermarkt. Es ist eine höfliche aber unverschiebbare, kompromisslose Langsamkeit, der man sich ergeben muss, möchte man nicht zum Nervenbündel werden, entnervt auf die Kuchentheke trommelnd…oder als Verkehrsopfer enden.

 
Dann gibt es da noch einen Typus: meist perfekt durchgestylte jüngere Frauen, - manchmal mit dazu passenden männlichen Begleiter. Auch die sind auf ihre Art langsam, - oh ja! Zum Beispiel beim Bestellen einer Torte. Als ich diesem Vorgang in der mittlerweile leider geschlossenen Konditorei „Kustermann“ beiwohnen musste, hatte ich danach das Gefühl diese Torte zur Welt gebracht zu haben. Ich merkte wie meine Handflächen zu schwitzen begannen, als wir uns quasi zu dritt durch mehrere Möglichkeiten der Himbeer-Gelee Herstellung kämpften. Wie meine Fußspitze sich trommelnd verselbstständigte, als man anschließend einen genauen Durchmesser sowie eine Höhe der Torte ermitteln musste. Dann, als nach weiteren, endlosen Minuten schließlich der einzig mögliche Zeitpunkt der Tortenabholung festgelegt war und gerade mein rechtes Augenlid zu zucken begonnen hatte, kam, - oh Wunder, eine zweite Verkäuferin hinzu und ich konnte sie endlich bestellen, meine „normale Semmel“… Erleichtert ausatmend wich ein ungeheurer Druck, einem Dampfkessel gleich aus meinem Haupt und für einen Moment schien ich ein paar Zentimeter über dem Boden zu schweben, als sich die Ladentür hinter mir und meiner Semmel schloss. Ich war für ein paar Augenblicke eingebettet in die Watte der einzig wahren, - der Sollner Langsamkeit. Alles würde gut werden, - die Torte war bestellt und meine Semmel konnte gegessen werden, - endlich. Niemals durfte man die Wichtigkeit einer Himbeer-Gelee-Torte unterschätzen!

 
An diesem Abend ging ich früh zu Bett. Ich fühlte mich als hätte ich an einem Marathon-Lauf teilgenommen.

 
Seither plane ich immer mindestens eine Stunde mehr ein wenn ich einen Termin in Solln wahrnehme…  J

 

BerylliumN